Sprungbereit

22. 10. 2019

Hinter den Kulissen tanzen die Geister

       

Ein kleiner Text aus meinem Buch, Kapitel eins

"Aufbruch"

Afrika - ich konnte es immer noch nicht richtig fassen, wirklich mit Haut und Haaren hier zu sein, und nein, es war auch kein Traum. Du bist da, rief mir mein Herz zu.
Ein fremdartiger, warmer und wohlriechender Duft entzückte meine Nase, umhüllte und verzauberte mich! Ich sah grosse, schlanke Palmen, die die Strassenränder säumten. Mir fielen markante, riesige und dickstämmige Bäume auf, mit unförmigen, weitausladenden Kronen, die aussahen wie Wurzelgeflecht. Sie thronten erhaben und stolz auf den Feldern.
"Wow, solche Bäume habe ich noch nie gesehen", rief ich erstaunt.
"Das sind Baobab, Affenbrotbäume und sie sind heilig", erklärte mir Ousman voller Stolz.
"Man sagt, dass der Teufel diese Bäume verkehrt herum gepflanzt hat. Und die Früchte kann man essen, sie sind sehr gesund."
"Ah, ja", nickte ich, ziemlich neugierig geworden. "So spannend und warum sind sie heilig?
Und warum hat der Teufel sie mit der Wurzel nach oben in den Boden gesteckt?"
"Weil die Geister in ihnen wohnen", offenbarte mir Ousman geheimnisvoll.

Während ich über die wundersamen Bäume nachdachte, schaute ich immer noch zum Fenster hinaus, ich konnte nicht genug bekommen. Ich sah grossgewachsene, schöne Menschen in farbigen Kleidern; spielende, lachende Kinder; Löcher in den Strassen und überall hörte ich Musik. Ich kam aus dem Staunen und Schauen nicht mehr heraus. Alles war so fröhlich, lebendig und bunt und auch ein bisschen schmutzig. Männer und Frauen sassen plaudernd vor ihren Lehmhäusern auf niedrigen Hockern und Bänken aus Holz und schauten gelassen dem abendlichen Geschehen zu. Ich sah eine tiefe Zufriedenheit und Ruhe in ihren Gesichtern, die mich echt berührte. Diese Einfachheit machte sie so glücklich. Weniger ist vielleicht doch mehr, das stimmte mich nachdenklich.
Die Dunkelheit brach abrupt über uns hinein, als wir die Stadt immer mehr hinter uns liessen. Auch die Dörfer verschluckte die schwarze Nacht. Vereinzelt sah ich kleine Lagerfeuer in der Ferne leuchten. Es duftete nach gebratenem Fisch und ich bekam Hunger. Mir wurde bewusst, das ich schon länger nichts mehr gegessen hatte. Doch bald verschwanden die Feuer und der Geruch nach Essen. Ein endloser wie mit glitzernden Diamanten besetzter Sternenhimmel begleitete uns durch den nächtlichen Busch, auf holprigen Strassen, irgendwo im Nirgendwo. 
Im Taxi war es still geworden, niemand sprach ein Wort. Nur mein Magen knurrte ein wenig. Doch auch das beruhigte sich mit der Zeit. Es gab so viele neue Eindrücke für mich, dass ich gar nicht mehr sprechen wollte. Obwohl ich tausend Fragen hatte.
Nach einer gefühlten Ewigkeit fragte der Fahrer, ob er Musik machen solle.
"Ja", antwortete Ousman.
Und so machte sich unser Chauffeur, während er weiterfuhr, am Radio zu schaffen. Leider schien dieses aus irgendeinem Grund nicht funktionieren zu wollen. Also probierte er es mit einer Kassette, doch auch die ging nicht und die nächste ebenfalls nicht und die übernächste immer noch nicht.
Aufgeregt schnalzte er immer wieder mit der Zunge, probierte aber seelenruhig weiter, eine Kassette nach der anderen. Ich staunte über seine Geduld, denn es war offensichtlich, dass das Radio samt Kassettendeck kaputt war. Jeder im Auto schien das zu bemerken, ausser dem Chauffeur, und eine heftige Diskussion entbrannte unter den Männern. Sie gestikulierten wie wild herum und immer wieder schnalzte einer mit der Zunge. Ich verstand kein einziges Wort, auch war mir nicht ganz klar
ob sie miteinander Streit hatten und wirklich wütend waren oder nicht. Doch so plötzlich wie die Diskussion entstanden war, so schnell beruhigte sich die Lage wieder und die Reise ging weiter immer noch ohne Musik.
Still und schweigend. Ich genoss die Fahrt.
Im Scheinwerferlicht verwandelten sich die Bäume im Schatten des Dschungels in uralte Fabelwesen aus einer sagenumwoben Zeit, geheimnisvoll und unheimlich. Nur das eintönige Brummen des Motors war zu hören, bis von irgendwoher rhythmische Klänge die Stille der Nacht durchbrachen.

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Das Buch ist für den Druck bereit, das Buch-Cover erhält gerade noch den letzten Schliff!! heart

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Ich wünsche dir eine magische Herbstwoche ... und wir sehen uns bald

von Herzen Monika